Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Wer mitten in einer beruflichen Übergangsphase steht, erlebt diese Dynamik allerdings häufig vor allem als Unsicherheit: Welche Berufe haben Zukunft? Welche Fähigkeiten lohnen sich? Worin investiere ich Zeit und Energie? Der alle zwei Jahre erscheinende Future of Jobs Report des World Economic Forum hilft, sich zu orientieren. Er stützt sich auf die Einschätzungen von über 1’000 Arbeitgebern, die zusammen mehr als 14 Millionen Beschäftigte in 22 Branchen und 55 Volkswirtschaften vertreten – darunter auch viele Unternehmen, die für den Schweizer Arbeitsmarkt relevant sind. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammengefasst.
Bewegung im Arbeitsmarkt: Verlust und Chance gleichzeitig
Bis 2030 wird sich rund jede fünfte Stelle (22 Prozent) strukturell verändern. Konkret: 170 Millionen neu geschaffenen Stellen stehen 92 Millionen wegfallende gegenüber – netto ein globales Plus von 78 Millionen Arbeitsplätzen. Das ist eine gute Nachricht und zugleich eine herausfordernde, denn Wachstum und Verdrängung treffen verschiedene Berufe und Qualifikationsniveaus mit unterschiedlicher Wucht. Sekretariatsarbeiten, klassische Buchhaltung und einfache Sachbearbeitung schrumpfen, während technologische Spezialberufe – Künstliche Intelligenz, Datenanalyse, FinTech, Cybersecurity – prozentual am schnellsten wachsen. In absoluten Zahlen wiederum wachsen vor allem Berufe der Realwirtschaft am stärksten: Pflegekräfte, Lehrpersonen, Lieferfahrerinnen, Bauleute. Wer sich neu orientiert, hat heute mehr Wege als die offensichtlichen.
Fünf Megatrends, die Berufsbilder formen
Hinter dem Wandel stehen fünf Kräfte, die ineinandergreifen: technologischer Wandel, grüne Transformation, wirtschaftliche Unsicherheit, geopolitische Verschiebungen und Demografie. Die Verbreitung digitaler Technologien ist dabei der stärkste Treiber: 60 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass sie ihre Geschäftstätigkeit grundlegend verändert. Künstliche Intelligenz und Datenverarbeitung gelten für 86 Prozent als Game Changer, gefolgt von Robotik (58 Prozent) und Energiespeicherung (41 Prozent). Auch der Klimawandel rangiert mit 47 Prozent unter den drei wichtigsten Treibern. Praktisch heisst das: Berufsbilder mit geringer digitaler oder ökologischer Anschlussfähigkeit geraten unter Druck. Berufe an der Schnittstelle zwischen Technologie und Mensch oder zwischen Wirtschaft und Nachhaltigkeit gewinnen.
Die zentrale Frage: Welche Fähigkeiten lohnen sich?
Vielleicht die wichtigste Erkenntnis des Reports betrifft nicht die Stellen, sondern die Kompetenzen: 39 Prozent der heute geforderten Fähigkeiten werden bis 2030 veralten oder sich grundlegend wandeln. Anders gesagt: Fast vier von zehn Skills, mit denen wir heute arbeiten, sind in fünf Jahren nicht mehr in der gleichen Form gefragt. Das klingt beunruhigend – ist aber zugleich eine Einladung. Denn niemand bleibt damit hinter dem Stand der Dinge zurück, weil er oder sie etwas „nicht früher gelernt» hätte. Wir alle stehen vor derselben Aufgabe.
Welche Kompetenzen besonders gefragt sind, lässt sich gut auf zwei Ebenen lesen. Auf der technischen Seite wachsen KI- und Big-Data-Kenntnisse am schnellsten, gefolgt von Netzwerken und Cybersicherheit sowie technologischer Grundkompetenz. Auf der menschlichen Seite rangieren analytisches Denken (für sieben von zehn Unternehmen die wichtigste Kernkompetenz überhaupt), Resilienz, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, Kreativität, Neugier und lebenslanges Lernen sowie Führungsstärke und sozialer Einfluss ganz oben. Die gefragten Profile von morgen verbinden technisches Verständnis mit ausgeprägten Selbst- und Sozialkompetenzen. Eine gute Nachricht für alle, die sich beruflich verändern wollen – denn Resilienz, Reflexionsfähigkeit und Klarheit über die eigene Wirkung lassen sich entwickeln.
Drei Erkenntnisse für Ihren nächsten Schritt
Aus dem Report lassen sich drei Beobachtungen ableiten, die für Menschen in einer beruflichen Neuorientierung besonders wertvoll sind.
Erstens: Die Skill-Instabilität hat sich gegenüber 2023 sogar leicht verlangsamt – nicht, weil sich die Welt beruhigt hätte, sondern weil immer mehr Berufstätige aktiv weiterlernen. Inzwischen haben 50 Prozent aller Beschäftigten weltweit eine Weiterbildung abgeschlossen, gegenüber 41 Prozent vor zwei Jahren. Wer jetzt in die eigenen Kompetenzen investiert, geht mit der Welt mit, nicht hinterher.
Zweitens: 85 Prozent der Unternehmen weltweit setzen auf Upskilling als wichtigste Antwort auf den Wandel, und zwei Drittel planen, gezielt für KI-bezogene Rollen zu rekrutieren. Das bedeutet konkret: Es gibt kaum einen besseren Moment, um sich beruflich neu auszurichten. Die Bereitschaft auf Arbeitgeberseite, Erfahrung mit neuen Kompetenzen zu verbinden, ist heute höher als noch vor wenigen Jahren.
Drittens: Die Fähigkeiten, die in einer Übergangsphase selbst tragen – Klarheit über die eigenen Stärken, Resilienz, Reflexionsfähigkeit, Entscheidungsmut – sind genau jene, die der Report als zentrale Wachstumsfähigkeiten ausweist. Eine bewusst gestaltete Neuorientierung ist daher nicht nur ein Karriereschritt. Sie ist zugleich eine Investition in jene Kompetenzen, die morgen besonders gefragt sind.
Den eigenen nächsten Schritt mit Substanz gestalten
Berufliche Neuorientierung wird oft als Reaktion auf Druck verstanden: ein Branchenwandel, eine Trennung vom Arbeitgeber, eine schleichende Erschöpfung. Der Future of Jobs Report 2025 macht deutlich, dass diese Erfahrung in der heutigen Arbeitswelt nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Umso entscheidender ist es, die eigene Neuausrichtung nicht primär als Reaktion zu erleben, sondern als bewusste Gestaltung – mit Klarheit über die eigenen Stärken, einem realistischen Bild des Markts und einer Strategie, die im Berufsleben tatsächlich trägt.
Quelle: World Economic Forum: The Future of Jobs Report 2025, Januar 2025. Den vollständigen Bericht finden Sie hier .
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